Françoise Cactus
Autobigophonie
Buch
Gut erfunden ist halb erlebt: Ein literarisches Juwel, nach 30 Jahren neu aufgelegt
Unsere Heldin wächst im Burgund als Tochter einer (Ersatz-)Mutter und
Krimi-Autorin auf, zieht mit der Familie aus dem Pferdestall ins
Schloss, erlebt erste Jugendlieben und plündert im Zuge der Revolution
68 die örtliche Bäckerei, woraufhin sie in ein Mädchenpensionat
verbannt wird. Die anschließende Flucht führt sie aus der französischen
Provinz in das geteilte Berlin der Hausbesetzerzeit. Sie legt sich eine
Punkfrisur und Rippenprellungen beim Pogo zu, wird Schlagzeugerin der
Band »Die Bomben« und entkommt doch nie ganz der Provinz, wo ihre
Grabsteininschrift schon auf ihr Ableben wartet: »Hier liegt sie, wo sie
zu liegen pflegte, nur dass sie, solange sie lebte, den Po dazu
bewegte.«
In ihrem Debütroman, vor 30 Jahren erstmals erschienen, erzählt die
Stereo-Total-Sängerin Françoise Cactus in kurzen Kapiteln von dem
Versuch, der ländlichen Ödnis zu entkommen und ein Leben zu entwerfen,
das die Zwänge der Konvention durch lakonische (Selbst-)Ironie,
Melancholie und Spott unterläuft. Cactus‘ Vexierspiel mit dem Genre der
Autobiographie ist dank ihres unverwechselbaren Sprachwitzes längst zu
einem Klassiker der Popliteratur geworden, der, lange vergriffen, nun
endlich wieder in einer redigierten Fassung vorliegt.